Begleite deine sterbende Katze

Fast mein ganzes Leben begleiten mich Katzen. Das Thema Tod gehört zum Leben dazu, wie die Geburt. Anders aber als über die Geburt, sprechen viele nicht so gerne über den letzten Lebensabschnitt.

Ich möchte dir in diesem Artikel „Begleite deine sterbende Katze“ vorstellen, wie sich meine Sicht auf den Tod verändert hat. Indem ich dir erzähle, was ich erlebt habe und was sich bei mir verändert hat, findest du vielleicht auch für dich einen guten Weg, der für dich das Thema leichter macht. Ein Weg, der für dich mit einer positiven Emotion verknüpft ist.

Meine Mission in der Kindheit: Katzen-Retterin

Meine ersten Begegnungen mit Katzen hatte ich schon, als ich noch sehr klein war. Wir hatten mal eine kleine verängstigte schwarze Katze. Sie blieb nicht lang. An sie habe ich nur eine verschwommene Erinnerung.

In meiner Kindheit zogen wir dann in ein kleines Dorf, in die Mühle. Dort hatte ich engen Kontakt zu vielen Tieren. Ich lebte mit Kühen, Schweinen und Katzen.

Es gab dort aber auch einen Bauer, der seine Katzen leider nicht kastrierte und so gab es immer wieder kleine Kätzchen mit denen er aber nichts anzufangen wusste. Ich half der Mutterkatze, indem ich immer gut beobachtete, wo sie ihr Versteck hatte und dann bat ich meinen Vater mit mir in die Stadt zu fahren. Sobald es möglich war, sammelte ich die Kätzchen ein, packte sie in einen Karton und los zogen mein Vater und ich Hand in Hand. Er klingelte für mich an der Tür und mir als kleines Mädchen konnte damals keiner widerstehen. Ich schaffte es immer wieder, die Kätzchen gut unterzubringen. Ich kam ohne kleine Kätzchen nach Hause und war überglücklich.

Ich wurde älter und nahm selbst Katzen auf. Es waren Geschwister-Katzen vom Bauernhof. Als ich einmal im Urlaub war, hatte ich eine Bekannte gebeten, für die Katzen zu sorgen. Leider hat sie aus Unachtsamkeit die Balkontür gekippt gelassen und das kleine Kätzchen verletzte sich schwer dadurch. Sie überlebte den Unfall nicht und der Verlust war sehr schwer für ihren Bruder.

Eines Tages war er verschwunden. Viele Jahr später habe ich erfahren, dass er lange allein herumirrte, bevor auch er Ruhe fand.

Sissy

Mit Sissy änderte sich mein Leben

Sissy kam als kleines Kätzchen zu mir, auch sie kam von einem Bauernhof. Sie hat die wilden Zeiten meines Lebens mitgemacht. Ich habe sie sehr geliebt!

Sissy akzeptierte niemanden neben sich, im wahrsten Sinne des Wortes. Es gab eine missglückte Zusammenführung, die mich in Krankenhaus brachte. Mir wurde eine junge schwarze Katze ans Herz gelegt. Ich gab mein Bestes, aber damals hatte ich noch nicht das Wissen von heute und nicht immer liegt es in unseren Händen. Beide Katzen hatte ich von Anfang an getrennt, aber meine Wohnung gab nicht viel Platz her, so dass sie lediglich durch eine Tür getrennt waren. Sissy benutzte ihr Katzenklo nicht mehr und das Markieren beider Katzen mit Urin wurde sehr massiv. Sie mochten sich absolut nicht. Eine zufällige Begegnung endete in lautem Kreischen beider Katzen. Sie waren ineinander verbissen. Damals noch unbedarft ging ich dazwischen und die schwarze Katze biss herzhaft zu, gleich mehrfach. Am nächsten Tag sah meine Hand gar nicht mehr gut aus und ich wurde von meinem Hausarzt umgehend in die Notaufnahme geschickt. Nachdem ich nicht dort bleiben wollte nach meiner Behandlung, stand ich mit 2 dick eingebundenen Händen vor meinem Auto. Ein Bus brachte mich schließlich heim. Zum Glück blieben mir nur Narben. Für die kleine schwarze Katze fand ich einen guten Platz.

Sissy verschwand sogar mal für eine ganze Zeit. Sie hatte es geschafft ein gesichertes Dachfenster zu öffnen und verschwand über das Dach. Wir sahen noch ihre Kratzspuren auf den Dachziegeln, als sie versuchte sich festzuhalten, was ihr aber nicht gelang. Wir suchten verzweifelt und klopften überall, machten Aushänge. Ich erhielt sogar einen Anruf eines kleinen Mädchens: Sie hätte meine Sissy gefunden. Als ich die Eltern anrief, stritten sie alles ab. Plötzlich stand Sissy sehr abgemagert, nach einigen Wochen plötzlich wieder vor unserer Tür. Meine Theorie: sie wurde einfach mitgenommen, hat dort aber nicht gefressen hat, was letztendlich mein großes Glück war.

Als Sissy dann sehr krank wurde, begann mein zweites Leben. Ich arbeitete mich tief in die Traditionelle Chinesische Veterinär Medizin (TCVM) ein und absolvierte die Abschlüsse als Tierheilpraktikerin, Katzenpsychologin und Tierkommunikatorin. Ohne Sissy wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Dafür bin ich ihr sehr dankbar!

Letztendlich ging es ihr immer schlechter und ich stand vor einer Entscheidung, die ich damals dachte, treffen zu müssen. Ich rief die behandelnde Tierärztin an, die zu mir nach Hause kam und wir waren uns einig, Sissy hatte nicht mehr lang zu leben. Also entschieden wir, ihr Leben zu beenden. Die Tierärztin euthanisierte Sissy bei mir zu Hause. Sie starb in meinen Armen. Ich war untröstlich und quälte mich mit dem Gedanken, ob es wirklich die richtige Entscheidung gewesen war.

Ihr Tod zeigte mir etwas auf: Es musste einen anderen Weg geben, als den Tierarzt zu holen. Es war zu schmerzhaft, zu sehr von mir festgelegt und es hat mich lange begleitet. Jeder kennt diese Gedanken: War es der richtige Zeitpunkt? Und ich muss im Nachhinein sagen: Nein war es nicht. Ja sicher, die Tierärztin hat mir damals zugestimmt. Nur nachdem ich mich mit den Sterbephasen auseinandergesetzt hatte, merkte ich, ein Leben abrupt zu beenden ist kein Akt der Gnade oder geschieht dem Tier zuliebe. Es geschieht, weil wir Menschen es nicht aushalten. Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf das Thema Sterben für immer verändert.

Jerome war mein Lehrer

Jerome war der lebenslustigste, unkomplizierteste Kater, den ich je kennenlernen durfte. Bis zu seinem Tod war er immer etwas unnahbar was Körperkontakt anging, aber er verstand sich mit den anderen Katzen sehr gut und verband sie alle. Er konnte diese verrückte Bewegung: Er drehte sich in der Luft, wenn er mitten im Sprung bemerkte, dass da doch ein Hindernis war. Er sah aus wie ein Reh beim Sprung. Ich konnte ihm stundenlang zusehen. Manchmal stellte er sich in den Treppenaufgang und brüllte einfach drauflos, als wenn er überprüfen wollte, ob er noch hören konnte und wie der Schall sich heute verbreitet.

Ich hatte ihn, zusammen mit Sully aus dem Münchner Tierheim geholt. Beide mit schweren Herzfehlern, beide quasi unvermittelbar, beide für mich bestimmt. Die Zeit mit Jerome verflog viel zu schnell.

Ich wusste er wird nicht lange bleiben, aber diesmal hatte ich einen anderen Weg vor Augen. Ich werde mit ihm zusammen bis ans Ende gehen. Ich werde für ihn da sein und nur er alleine wird bestimmen, wann dieser Zeitpunkt ist.

Wie ich Jerome beim Sterben begleitet habe

Es war nicht sein Herzfehler, sondern ein Lymphom, das seinen Körper so schwächte, dass er sich auf den Weg machte. Ich las also nochmal das Buch: *)Das tibetische Buch vom Leben und Sterben und beschäftigte mich mit den Sterbephasen. Er war mein erster Kater, den ich so begleitete und er zeigte mir jede Phase deutlich an, damit ich auch gut folgen konnte.

Mal mochte er es kalt, mal warm. Mal wollte er bei uns sein, mal zog er sich zurück. Er schaffte es in seinen letzten Tagen nicht mehr auf die Toilette, hörte auf zu fressen und bewegte sich kaum noch. Ich war für ihn da.

Jerome Begleite deine sterbende Katze.

Der Tag des Abschieds

Ich folgte der Morgenroutine mit meiner Tochter. Wir standen auf, frühstückten und -anders als sonst- gingen wir noch zu Jerome und meine Tochter, damals keine 3 Jahre alt sagte zu ihm: „Du kannst jetzt nach Hause gehen.“

Und das tat er.

Ich habe den Vormittag mit ihm verbracht, bot ihm Trinken an, brachte ihm gekochtes Hühnchen in seine Kratzbaumhöhle, in die er sich zurückgezogen hatte. Er aber mochte nicht mehr. Es war mehr für mich zur Beruhigung, um zu wissen alles getan zu haben. Bis zum letzten Tag habe ich ihn unter anderem homöopathisch begleitet. Sehr geholfen hat uns allen die Tierkommunikation.

Noch einmal versuchte er auf Toilette zu kommen, schaffte es nicht und legte sich schließlich auf seinen Lieblingsplatz, die Babywippe meiner Tochter. Dort lag er in der Sonne, während ich bereits mehr als nur einmal mit meinen Tränen kämpfte.

Er ging am 15. Februar 2017 kurz nach Mittag. Ich war bei ihm als er begann zu krampfen und so sein Leben auf Erden gehen zu lassen. Mein Herz tat sehr weh, aber andererseits war es eines meiner schönsten Erlebnisse.

Nur Gismo ging noch leichter und hinterließ ein fast noch größeres Loch in unseren Herzen.

Gismos letzter Weg

Gismo war ein quirliges drahtiges Kätzchen mit eigenem Kopf. Besonders als die Demenz einsetzte und sie betagter wurde, kam noch der „Altersstarrsinn“ dazu. Langweilig war es nie mit ihr. Rief sie doch mit ihrer ewig kratzigen Stimme alle zusammen, wenn es etwas Leckeres gab. Da sie schon nicht mehr gut hörte und auch das Sehvermögen nachließ, störte sie sich nicht an den anderen Katzen.

Gismo hatte ich mit 15 Jahren ebenfalls aus dem Münchner Tierheim geholt.

In ihren letzten Wochen benötigte Gismo viel Pflege. Als sie 21 wurde, brauchte sie Windeln und auch sonst viel Zuwendung. Aber natürlich kümmerten wir uns gern um sie. Wir lagerten sie um, nahmen sie so oft wie möglich mit in den Garten und sie freute sich über jede Streicheleinheit. Auch wenn sie am Ende fast taub war, tat es gut, wenn wir alle zusammen um sie herum saßen und ich las meiner Tochter das Buch: *)Der klitzekleine Engel hilft beim Abschied vor.

Gismo an ihren letzten Tagen. Begleite deine sterbende Katze.

So ging Gismo

In der Nacht vom 31. August auf den 1. September 2019 wusste ich, dass ich Gismo diesmal mit ins Bett nehmen würde. Ich spürte ihren unruhigen Atem, machte meinen Mann wach und wir hielten sie, als sie leise zitternd ihren letzten Atemzug tat.

Wir waren furchtbar traurig. Sie ging, als es Zeit war für sie, ohne ein unnötiges Einschreiten von außen.

Sie bekam alles damit es ihr gut ging, bis sie gehen konnte. Jerome holte sie ab.

Meine Tochter hatte diesmal deutlich mehr zu knabbern. Ich weckte sie auf, damit auch sie sich noch direkt verabschieden konnte.

Plötzlich war es so still im Haus, trotz all der anderen Katzen. Es hat eine ganze Zeit gedauert, bis sich die Kater neu geordnet hatten. Meine Tochter malt noch heute Bilder von „ihrer Mismo“ und spricht über sie.

Finde deinen Weg um deine Katze zu begleiten

Ich habe sehr viele Jahre als Krankenschwester gearbeitet. Was brauchen die Menschen am Ende ihres Lebens am Ehesten? Ja sicher Medikation, um keine Schmerzen zu haben, nicht zu leiden, aber immer und vor allem Fürsorge und Dasein.

Ich habe mit meinen drei Katern Balduin, Azrael und Darwin in der tiergestützten Therapie eine ältere Dame daheim begleitet. Genauso wünsche ich es mir auch, wenn mein Erdenleben endet. Liebevolle Menschen um mich und Katzen!

Du brauchst keine Angst vor dem Sterben deiner Katze zu haben. Ja, es ist traurig und es kostet auch viel Kraft am Ende, aber es lohnt sich! Ich kenne den Unterschied wie es sich anfühlt, wenn ich entscheide, dass eine Seele geht. Und was für positive Gefühle mich begleiten, wenn sie selbst wählen darf.

Palliativmedizin ist in der Humanmedizin selbstverständlich und sollte es auch in der Veterinärmedizin sein.

Der Tod kann uns Angst machen. Wenn du dich aber damit auseinandersetzt, was wann im Körper passiert, dann wirst du ruhiger sein und dich ganz auf deine Katze konzentrieren können.

Für uns Zurückbleibende ist es schwierig und wir machen uns Gedanken, ob wir nun alles richtig machen. Werde ruhig, sei für deine Katze da und vertraue deiner Intuition!

Wenn es dir zu schwer erscheint: Hol dir Hilfe! Es gibt einige Tierheilpraktiker:Innen und auch Tierärzt:Innen, die dich und deine Katze auf diesem Weg begleiten.

Hast du auch eine Geschichte dazu? Erzähle mir davon.

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Christiane Schimmel
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