Mein Weg zur gesunden Selbstständigkeit

Ich sitze völlig erschöpft inmitten von fremden Katzen und möchte mich einfach nur mal kurz hinlegen. Das kann ich aber nicht. Zu diesem Zeitpunkt habe ich ein Katzenhotel und Menschen bringen mir ihre Katzen, damit ich sie umsorge während sie im Urlaub oder auf Geschäftsreise sind.

Ich bin schwanger, muss eigentlich ruhen und doch versuche ich den roten Kundenkater zu überreden sich Blutzucker messen zu lassen und dann entsprechend das Insulin spritzen.

Nein, so wird das nichts.

Mit dem Kater wurde das offenbar nicht geübt und trainiert und ich bin nun mal fremd für ihn. Um ihm Stress zu ersparen, fahre ich mit ihm zum Tierarzt, messen, spritzen, wieder heim.

Wenn ich nichts von ihm will, ist er der liebste Kater und möchte etwas spielen. Schön! Ich bin froh, dass es ihm gut geht.

Puh, ich atme auf und merke, wie hungrig ich bin. Habe ich genug getrunken? Vermutlich nicht.


Gut nun endlich hinsetzen, aber da klingelt das Telefon nochmal. Ob ich für Weihnachten schon Reservierungen annehme? Ja klar. Ob er noch am Abend kommen kann, um sich alles anzusehen. Er hat sonst keine Zeit mehr.

Hm, ja ok, wenn es nicht anders geht.


Meine Katzen schauen mich vorwurfsvoll an. „Wolltest du nicht mit uns noch spielen?“ Ja stimmt, nachher gleich…nur kurz sitzen.

Solche Szenen gab es immer wieder in meiner Selbstständigkeit. Das hatte ich mir doch anders vorgestellt. Manchmal habe ich gar nicht gemerkt wie es mir geht. Das war kein guter Weg.


Jahre später schau ich auf diese Situation und merke: das ist mir auch danach noch häufiger passiert.

Termine am Abend oder am Wochenende waren zu der Zeit normal. An sich wäre das nicht schlimm, aber ich hatte vergessen mir den Ausgleich an anderen Tagen zu holen.

Wenn das Wetter schön war, ist mein Mann oft mit unserer Tochter alleine unterwegs gewesen, da ich noch auf Kunden gewartet habe. Dienstleistung auf die ungesunde Art und viel zu günstig war ich auch noch.

Die Arbeit von damals und jetzt macht mir Freude, aber es muss mir gut gehen, sonst mache ich keinen guten Job. Und dafür brauche ich klare Grenzen.

Wenn Kunden übernehmen

Das Katzenhotel war in unser Haus integriert. So war ich immer nah bei allen Katzen. Natürlich hatte jede Katze ihr eigenes Zimmer oder gleich mehrere und ich konnte sie rufen hören und war rasch bei ihnen.

Daraus ergaben sich folgende Situationen:

Meine Tochter war erst wenige Monate alt und wenn sie gerufen hat, bin ich zu ihr. Das habe ich auch getan, wenn eine Besichtigung stattgefunden hat. Ich bat die Personen kurz zu warten. Manche Menschen sind mit ins Kinderzimmer gefolgt, trotz meiner Wegweiser und „Zutritt-Verboten“ Schilder. War ich nicht deutlich genug?

Andere standen plötzlich in meinem Bad und haben die Badewanne bestaunt. Im Nachhinein lustig, aber in dem Moment war meine Privatsphäre stark gestört.

Beratungen am Telefon und online brachten eine andere Herausforderung.


Ich bin am Telefon: die Beratung geht 30 Minuten. Ich schau auf die Uhr, bereits 20 Minuten drüber. Ich hätte schon zum nächsten Termin sollen…ich versuche höflich das Gespräch zu beenden. Es geht noch weitere 10 Minuten: „Nein schon ok es geht mir ja um die Katzen.“ Und schließlich möchte ich, dass die Kunden glücklich sind. War das aber der richtige Weg?

Beratung anstatt Termin


Ich gehe ans Telefon: „Ja hallo als ich habe folgendes Problem: „…ich unterbreche freundlich und sage, dass ich das gerne in drei Sätzen umschrieben haben mag, damit ich empfehlen kann, welche Begleitung sich am besten dafür eignet und wir einen Termin finden. „Ja aber wieso wir können doch gleich sprechen. Es geht ganz schnell…“

Am Ende hatte ich dann oft bereits kostenlos beraten und ein Termin war nicht mehr notwendig. Kein guter Weg, weder für die Kunden, noch für mich. Hätte ich so weiter gemacht, wäre mein Weg in der Selbstständigkeit bald vorbei gewesen.


Für mich ist das meine Arbeit. Ich habe viele Jahre gebraucht, um zu erkennen, dass es wichtig ist klar zu sagen was wann und wie. Für mich habe ich erkannt, dass ich meinen Gedanken loslassen darf, dass das unhöflich ist. Meine Erkenntnis: Es ist unbedingt notwendig Grenzen zu ziehen für eine gesunde Beziehung zu meinem Business.


Als gelernte Krankenschwester helfe ich sehr gerne Menschen. Nur noch das Helfen im Vordergrund stehen zu haben, ist aber nicht gesund. Es ist nicht gesund für einen selbst und auch nicht für die Menschen die Hilfe bekommen. Wer bin ich, dass ich anderen Menschen nicht zutraue selbst die Situation nach einer Anleitung, einem Plan lösen zu können. Wie viel besser ist das Gefühl danach auf beiden Seiten?

Ich habe zugelassen, dass ich als letzte Lösung angesehen werde und nicht klar gesagt habe, das die Verantwortung bei den jeweiligen Menschen liegt. Ich bin in der Helferrolle geblieben und habe damit meinen Kunden die Möglichkeit genommen mit den Informationen von mir, selbst den Weg gehen zu können.

Tieren zu helfen, ist Lohn genug?

Besonders die Arbeit mit Tieren wird oft unter: „das muss sie doch zum Wohle des Tieres machen“ als ausreichend belohnt abgestempelt.


Ja sicher liebe ich Tiere, insbesondere Katzen.

Trotzdem möchte ich für meine Beratung angemessen bezahlt werden. Ich habe viele Jahre in Ausbildungen und Fortbildungen gesteckt und erweitere ständig mein Wissen, damit ich immer auf dem neuesten Stand bin.


Tatsächlich war ich immer mal wieder an dem Punkt mir ein anderes Gebiet zu suchen, dabei wissen viele noch nicht mal, dass es Katzentherapeuten gibt. Letztendlich bin ich dabei geblieben, weil ich Menschen mit Katzen so gut unterstützen und anleiten kann. Meine Arbeit ist wichtig.

Ist Selbstständigkeit ungesund?

Zu Beginn meiner Selbstständigkeit habe ich nicht den Wert meiner Dienstleistung gesehen. Ich hatte falsche Vorstellungen, war nicht klar genug, habe meine Grenzen nicht ausreichend kommuniziert und dann kam noch meine Helferlinie durch.

Ich dachte auch ich müsste zu Beginn besonders günstig sein. Jetzt weiß ich, das war falsch.

Ich dachte es wäre höflich immer alles für meine Kunden zu machen. Ich dachte es wäre nicht höflich zu sagen, wenn ich gemerkt habe: Das geht jetzt in die falsche Richtung.

Ich habe inzwischen erkannt: Das war Unsinn.

Selbstständigkeit ist dann also ungesund, wenn ich all diese Punkte nicht beachte und mich aufopfere. Davon hat am Ende weder mein Kunde noch ich etwas.

Es ist an mir als Unternehmerin den Rahmen vorzugeben, damit sich alle sicher fühlen können.

Es ist an mir als Unternehmerin aufzuzeigen, was es bereits alles kostenlos gibt in Form von Podcasts, Blogartikeln, Social Media Inhalten etc., damit meine Beratung, meine Wissensvermittlung, mein Mentoring von Menschen mit Katzen den korrekten Stellenwert nach außen zeigt.

Selbstständigkeit kann also ungesund sein, aber es zu ändern liegt in meiner eigenen Hand.

Christiane Schimmel im Wald

Wie kann ich ein gesundes Verhältnis zu meinem Business haben?

Ich wollte nie wieder so erschöpft sein und mich einfach nur nach einer Pause sehnen.

Wie ich das gemacht habe: Eigenverantwortung

Ich habe überlegt wo ich etwas ändern kann. Die anderen kann ich nicht ändern, aber ich kann mir ansehen, was ich selbst anders machen kann.

In welche Rolle hatte ich mich begeben und was hatte ich davon in dieser Rolle zu bleiben. Die immer Helfende bekommt Anerkennung. Schon als Krankenschwester war der häufigste Satz der mir gesagt wurde: „Also das was Sie da machen könnte ich nicht.“ und es schwang immer etwas Mitleid mit. Anstatt: Ich bewundere Ihr Können und Ihre Fähigkeiten.

Ich schrieb mir all meine Rollen in den verschiedenen Situationen auf und schaute mir jeweils an: was habe ich davon, will ich das wirklich und wenn nein: wie ändere ich es. Das mache ich auch immer noch so.


Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse: Bleib bei dir. Super einfach gesagt, aber eines der Schwierigsten.

Ich habe das so für mich gelöst:

  • Ich habe mir Ruhepausen gegönnt. Momentan finde ich es entspannend bei unseren Hühner zu sitzen und sie einfach zu beobachten.
  • Ich habe meinen Kalender nicht mehr so voll gepackt, damit nicht dieses Gefühl aufkommt: „wieder nicht alles geschafft“
  • Ich habe -Achtung ja das darf man- mein Telefon ausgestellt. Du kannst mich erreichen, aber meine Stimme nennt dir freundlich meine E-Mail Adresse. Schriftlich kann ich dann meine Antworten gesammelt geben und muss mich nicht vor die Entscheidung stellen: „Gehe ich jetzt ran oder lasse ich es sein.“
  • Ich mache regelmäßig etwas für MICH!
  • Ich gehe nach jedem Mittagessen mindestens eine halbe Stunde spazieren.

Es hat fast 10 Jahre gedauert, bis ich erkannt habe, dass das keine verschwendete Zeit ist.


Und wann immer möglich, verbinde ich das was ich unterrichte und weitergebe, mit dem was für mich ebenfalls wichtig und herzerfüllend ist. In meinem Fall ist es, neben den Katzen, die immer meine erste Mission bleiben werden, das Strömen (Jin Shin Jyutsu).


Selbstständig zu sein bedeutet zum großen Teil: Wachsen und Persönlichkeitsentwicklung.


Eines kann ich dir versprechen: Du bist nach einigen Jahren nicht mehr dieselbe Person. Und das meine ich im positiven Sinn.

Mein Weg zur gesunden Selbstständigkeit


Hab Mut und vertraue dir!

Christiane Schimmel
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