Menschen mit Autismus können keine Gefühle lesen? Blödsinn!

Autismus Gefühle

Das Wichtigste in Kürze

  • Autistische Menschen haben dieselben Gefühle wie nicht-autistische Menschen – sie drücken sie aber teilweise anders aus.
  • Studien zeigen: Autistische und neurotypische Gesichter „sprechen“ emotional unterschiedliche Sprachen, was Missverständnisse erklären kann.
  • Mimik ist kein Talent, sondern eine erlernbare Fähigkeit – auch Mikroexpressionen lassen sich trainieren.
  • Wer Mimik lesen lernt, gewinnt mehr Sicherheit in Gesprächen, besonders in stressigen Situationen wie Meetings.
  • Du musst dich nicht verbiegen – Mimik lesen hilft dir nicht zur Anpassung, sondern für deine eigene Klarheit.

„Autisten können keine Gefühle lesen“ – dieser Satz ist schlicht falsch. In diesem Beitrag erfährst du, warum Mimiklesen für dich lernbar ist – und wie es dir im Alltag wirklich hilft.

Warum es ein Mythos ist, dass autistische Menschen keine Gefühle lesen können

Autistische Menschen haben genauso Gefühle wie nicht-autistische Menschen – sie drücken sie nur teilweise anders aus. Der Mythos von der Gefühllosigkeit kommt vor allem aus Medienbildern, in denen Autist:innen oft kühl oder distanziert dargestellt werden. Das bleibt hängen. Und genau dadurch entsteht ein falsches Bild.

Eine große Studie (Mismatching Expressions: Spatiotemporal and Kinematic Differences in Autistic and Non-Autistic Facial Expressions) zeigt: Autistische und nicht-autistische Erwachsene drücken Emotionen wie Wut, Freude und Traurigkeit unterschiedlich im Gesicht aus. Dafür wurden tausende mimische Ausdrücke mit spezieller Technik aufgezeichnet und ausgewertet. Das Ergebnis: Die Gefühle sind da – aber sie zeigen sich nicht immer auf dieselbe Weise.

Zum Beispiel (Mimik bei Menschen im Autismus-Spektrum):

  • Bei Wut wird stärker der Mund eingesetzt und weniger die Augenbrauen
  • Freude wirkt oft weniger übertrieben und zeigt sich nicht so deutlich in den Augen
  • Traurigkeit wird teilweise anders über die Lippenbewegung ausgedrückt

Das bedeutet nicht, dass Gefühle fehlen. Es bedeutet, dass Gesichter unterschiedlich „sprechen“.

Wenn zwei unterschiedliche Ausdrucksweisen aufeinandertreffen, entstehen Missverständnisse. Vielleicht erkennst du deshalb bestimmte Reaktionen bei neurotypischen Menschen nicht sofort – und umgekehrt verstehen sie deine Mimik nicht richtig.

Das Problem ist also kein Mangel an Gefühlen. Es ist ein Unterschied im Ausdruck.

Warum Mimik für autistische Menschen ein wichtiges Signal ist

Du musst dich nicht verändern – aber du darfst Werkzeuge nutzen, die dir helfen. Mimik ist so ein Werkzeug. Sie ist kein sozialer Zwang, sondern eine Fähigkeit, die du lernen kannst, wenn du willst.

Gerade wenn soziale Regeln nicht automatisch erfassbar sind, kann Mimik ein klarer Anhaltspunkt sein. Sie ist sichtbar. Beobachtbar. Trainierbar.

Mimik lesen ist keine Begabung. Es ist eine Sprache. Und Sprachen kann man lernen.

Im Mittelpunkt stehen Mikroexpressionen – sehr kurze, unbewusste Gesichtsausdrücke, die echte Emotionen zeigen. Wer sie erkennt, bekommt mehr Klarheit darüber, was im Gegenüber wirklich passiert. Und Klarheit schafft Sicherheit.

Was sich dadurch verändern kann:

  • Du fühlst dich sicherer in Gesprächen
  • Du kannst Reaktionen besser einordnen
  • Du gerätst seltener ins Grübeln

In meiner Arbeit nutze ich das Mimikresonanz-Training® nach Dirk Eilert. Für mich ist entscheidend: Es ist lernbar. Sogar meine Tochter konnte ihre Wahrnehmung damit deutlich verbessern. Das zeigt, dass es kein mystisches Talent ist – sondern eine Fähigkeit.

Mimik hilft dir nicht, um dich anzupassen. Sie hilft dir, dich sicherer zu fühlen.

Typische Herausforderungen beim Lesen von Mimik als autistischer Mensch

Die Herausforderung ist nicht, dass du nichts fühlst – sondern dass unterschiedliche Ausdrucksweisen aufeinandertreffen. Wenn Gesichter verschiedene „emotionale Sprachen“ sprechen, wird Kommunikation komplexer.

Du schaust hin. Du analysierst. Du gibst dir Mühe. Und trotzdem bleibt manchmal Unsicherheit. Das liegt nicht an mangelnder Empathie. Es liegt an unterschiedlichen Signalen.

Dazu kommt etwas, das oft unterschätzt wird: Soziale Situationen bedeuten Stress.

Und Stress verändert Wahrnehmung:

  • Mikroexpressionen sind extrem schnell
  • Gespräche laufen parallel weiter
  • Geräusche, Inhalte und Erwartungen wirken gleichzeitig

Unter Stress wird es schwerer, feine Unterschiede sicher zu erkennen. Dein Nervensystem arbeitet bereits auf Hochtouren. Natürlich wird es dann anspruchsvoller.

Stell dir ein Meeting vor. Mehrere Menschen sprechen durcheinander, jemand runzelt kurz die Stirn, eine Kollegin lächelt knapp, ein anderer schaut zur Seite. War das Zustimmung? Genervtheit? Unsicherheit? Während du noch einordnest, läuft das Gespräch weiter. Genau hier entsteht Druck.

Das heißt aber nicht, dass du unfähig bist. Es heißt nur, dass dein System gerade viel leistet.

Wie du lernen kannst, Mimik besser zu verstehen

Mimik lesen ist eine Fähigkeit, die trainiert werden kann. Genau wie beim Lernen einer neuen Sprache geht es Schritt für Schritt: erst erkennen, dann verstehen und schließlich sicher damit umgehen.

Im Mimikresonanz-Training® lernst du zunächst die sieben rein mimischen Primäremotionen kennen. Das sind grundlegende Emotionen, die sich weltweit im Gesicht zeigen – unabhängig von Sprache oder Kultur. Wenn du weißt, worauf du achten musst, werden diese Signale plötzlich deutlich sichtbarer.

Dabei geht es nicht nur darum, etwas im Gesicht zu „sehen“. Du lernst auch:

  • Emotionen im Gesicht schneller zu erkennen
  • sie richtig einzuordnen
  • und angemessen darauf zu reagieren

So entsteht mit der Zeit eine Art innere emotionale Landkarte, die dir hilft, Gespräche besser zu verstehen.

Ein wichtiger Teil des Trainings ist außerdem der sogenannte Motivkompass®. Er hilft dabei zu verstehen, warum Menschen emotional reagieren, nicht nur dass sie es tun. Dadurch kannst du Reaktionen deines Gegenübers besser einordnen.

Das Ziel ist nicht, Menschen zu analysieren oder sich zu verstellen. Es geht darum, zwischenmenschliche Missverständnisse zu reduzieren – zum Beispiel unausgesprochene Einwände, unterschwellige Konflikte oder Spannungen in Gesprächen.

In meinen Trainings passe ich diese Inhalte speziell für neurodivergente Menschen an. Die Einheiten sind bewusst kürzer gehalten und dauern maximal zwei Stunden, damit Konzentration und Verarbeitung gut möglich bleiben.

So lernst du Schritt für Schritt, die stille Sprache der Mimik besser zu verstehen – ohne dich selbst verbiegen zu müssen.

Du bist gut, wie du bist. Und wenn du zusätzlich Mimik lesen lernst, dann nicht, um jemand anderem zu gefallen – sondern um dir selbst mehr Sicherheit zu geben.

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt.

Christiane Schimmel ist zertifizierte Mimikresonanztrainerin®, Ihr Schwerpunkt liegt auf nonverbaler Kommunikation, die sie mit neurodivergenten Erwachsenen trainiert:
Sie zeigt ihnen, wie sie solche Signale in ihrem beruflichen Umfeld verstehen, einordnen und nutzen können. 

In ihrem Blog schreibt sie über die Wirkung von Emotionen und die Kraft von Mimik und erklärt, wie nonverbale Signale die Selbst- und Fremdwahrnehmung beeinflussen.
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